Mittwoch, Juli 01, 2026

Die Bekau einst und jetzt

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Auf den Spuren der Bekau 

Porträt eines Flusses
Bekau am Ortsrand von Hohenaspe 

Das Angelverbotsschild muss schon sehr lange dort stehen, denn Fische sind hier heute kaum noch zu entdecken. Dem Schild nach zu urteilen, muss es jedoch einmal ganz andere Zeiten gegeben haben. Dieser Frage möchte ich nachgehen.

Die Bekau bei Hohenaspe hat meines Wissens keine besonders gute Wasserqualität. Von dem einstigen Fischreichtum, von dem ältere Einwohner gelegentlich berichten, scheint heute nicht mehr viel übrig zu sein. Umso mehr hat es mich gefreut, an dieser Stelle zumindest einige kleine Fische zu entdecken – ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Bekau.


Die Bekau von Drage kommend bei Hohenaspe 

 Zur Erinnerung: Die Bekau ist ein 26 Kilometer langer rechter Nebenfluss der Stör, der bei Christinenthal entspringen soll, es aber nicht tut, wie ich mit Hilfe von Ralf Ehlers und Heiko Fischer herausgefunden habe.
Die Bekau wird gern von Wasserwanderern und Paddlern für Freizeitvergnügen genutzt. Neulich haben wir eine Stand-up-Paddlerin an der Brücke zur Gemeinde Oldendorf bei Huje entdeckt.
Ein Anleger für Paddler gibt es auch an der Brücke bei Eversdorf - Kaaks.

Wo ist denn nun die wirkliche Quelle der Bekau?
Der Graben der Bekauquelle liegt derzeit im Trocknen Foto vom 23.7.2026

Die Quelle beziehungsweise das Quellgebiet der Bekau liegt unweit der Straße Peissener Pohl nahe der B77. Wer dort derzeit nach einem sprudelnden Bachlauf sucht, wird allerdings enttäuscht: Das Quellgebiet präsentiert sich momentan lediglich als trockener Graben.

Die Informationen zur tatsächlichen Lage der Bekauquelle erhielt ich von Rolf Ehlers, dem Verbandsvorsteher des Wasserverbandes Bekau. Im Internet wird häufig Christinenthal als Quelle der Bekau genannt – diese Angabe ist jedoch nicht korrekt.

👉Zum Wasserverband Bekau gehört ein Einzugsgebiet von knapp 15.000 Hektar. 

Die Geschäftsstelle der Wasser- und Bodenverbände befindet sich in Heiligenstedten. 
Von dort aus werden die Verbände Unterlauf Stör, Kremper Marsch, Wilstermarsch und Bekau betreut.„Wir sind für den geregelten Ablauf des Oberflächenwassers zuständig“, erklärt Geschäftsführer Arne Blohm. 
Der Wasserverband hält z.B. das Schöpfwerk in Bekmünde in Betrieb und ist für den dafür zuständig den Wasserabfluss oder deren Rückhaltung zu sichern und die ökologischen Funktionsfähigkeit des Gewässers insbesondere als Lebensraum von wild lebenden Tieren und Pflanzen zu erhalten und zu fördern. 
📍Ich erkundige mich, ob der Wasserverband die gesetzlich vorgeschriebenen Aufgaben, die Kontrollen der Wasserqualität mit einschließt. 
Der Geschäftsführer verneint dies, da dies nicht die Aufgabe des Wasserverbandes sei. Dafür sei das Landesamt für Umwelt (LfU) zuständig. 
Eine entsprechende Anfrage wurde an das LfU abgeschickt, denn im Internet sind zwar Pegelstände der Flüsse und die Wasserqualität der Badegewässer zu finden, aber nicht der von Fließgewässern. 
👉Überraschend habe ich sofort eine Rückmeldung vom Landesamt für Umweltschutz -Abteilung Gewässer - erhalten, mit Daten, die ich noch auswerten muss, die aber "nur" bis 2023 reichen.

Messstellen vom Lfu - eine Anfrage zu den aktuellen Daten wurde abgeschickt
Prof. Dr. Ralf Dudde übernimmt dankend die Auswertung der mir übermittelten zahlreichen Daten bis 2023 vom Lfu. 

Hier seine Auswertung: 

Wasserqualität Bekau gemäß aktueller Bewertungsdatenbank Landesamt für Umwelt Flintek Biologische Qualität: 
Pflanzen, Moose, Algen: Werte mäßig - 
Kleinlebewesen, Insekten, Würmer, Schnecken, Muscheln, Krebstiere: Werte gut - 
🐟Fische: nach Christinental: ärmlich, vor Christinental: Werte schlecht 
  Insgesamt: Werte ärmlich 
Weiter zur Störeinmündung verbessert sich das Fischvorkommen auf mäßige Werte.
Chemische Komponenten: Gesamtzustand: Werte schlecht (Einstufung nur aufgrund einmaliger Quecksilbermessung in 2014)
 Pestizide, Schwermetalle, Industriechemikalien: Werte aktuell gut, (in 2014 erhöhter Quecksilberwert) 
  Herbizide, Arzneimittelrückstände, Nährstoffe, Salze: Werte gut 
 !Insgesamt aber ärmlich 
👉In Richtung Störeinmündung verbessern sich die Messwerte weiter


Hinter den Sträuchern beginnt der Lauf der Bekau – zumindest dann, wenn das Quellgebiet Wasser führt. Von hier aus fließt der Bach in einem Bogen Richtung Christinenthal, durch das Gutsgelände mit Teich, anschließend unter der Loofter Straße hindurch über Looft nach Drage. Auf diesem Weg nimmt der Nebenfluss der Stör nach und nach weitere Zuflüsse auf und gewinnt dadurch an Wasserführung.

Während meiner Aufnahmen im Quellgebiet fühlten sich ein Neuntöter und mehrere Kraniche offenbar von meiner Anwesenheit gestört.


Die Bekau bei Christinenthal 

👉In der Kaakser Chronik von 1990, die Walter Fels unter dem Titel „An den Ufern der Bekau“ verfasst hat, findet sich eine amüsante Anekdote aus einer Zeit, als die Bekau noch nicht begradigt war, keine Schleusen den Weg zur Stör versperrten und die Flüsse als besonders fischreich galten.🐟🐟Darin heißt es, dass um das 18. Jahrhundert ein Knecht auf dem Hof des Bauern Hennig Voß in seiner Freizeit an der Mühlenau (heute Stegau genannt) an der Mündung zur Bekau in Kaaks – angelte.
Eines Abends traute er seinen Augen kaum: Am Ufer lag ein riesiger Fisch, der sich hier wohl bei Hochwasser hierher verirrt hatte. 
Völlig aufgeregt lief der Knecht zum Bauern zurück. 
Vor lauter Aufregung stotterte er so sehr, dass ihn zunächst niemand verstand. Schließlich machte er deutlich, dass er ein Pferdegespann benötigte, um den gewaltigen Fisch abzutransportieren.
Der Bauer ließ ihn gewähren. Gemeinsam mit einigen Männern wurde der Fisch geborgen. Als er auf den Wagen geladen war, ragte sein Schwanz noch rund einen halben Meter über das Ende des Wagens hinaus.
Der gewaltige Stör soll dem Bauern durch den Verkauf seines wertvollen Kaviars viel Geld eingebracht haben. Der Überlieferung nach konnte er sich davon sogar zwei neue Anzüge kaufen.  
In Kaak / Eversdorf kann man nach starken Unwettern oder bei Tauwetter im Winter sich gut vorstellen, dass die Bekau einst sogar beschiffbar war.

Damals: 
Die rund 26 Kilometer lange Bekau war bis zur Fertigstellung des Störsperrwerks im Jahr 1975 ein Tidefluss und wurde somit von Ebbe und Flut beeinflusst.

Fotos von Hans Breiholz: Aufnahme der Bekau vor der Begradigung in den 50ern

Bereits 1925 stellte die Bekau-Interessengemeinschaft laut einer Chronik einen Antrag auf Staatshilfe. Die anliegenden Ländereien versumpften zunehmend, weshalb dringend Abhilfe gefordert wurde. Zwar wurde damals bereits der Bau eines Schöpfwerks an der Mündung zur Stör geplant, die Umsetzung erfolgte jedoch erst später.
Ab 1954 begann die Entwässerung der Wiesen entlang der Bekau. Etwa ein Jahr später wurde der Flusslauf zwischen Krummendiek und der Kaaksburger Brücke begradigt. Aus heutiger Sicht würde man einen derartigen Eingriff in die Natur wohl anders bewerten und planen.

❗Heute sind die Folgen solcher Flussbegradigungen für Natur und Wasserqualität gut dokumentiert. Durch den Verlust von Auen, Nebenarmen und natürlichen Flussschlingen (Mäandern) gehen wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten verloren. Gleichzeitig fehlt das natürliche Flussbett aus Sand und Kies, das eine wichtige Rolle bei der Selbstreinigung des Gewässers spielt. Hinzu kommt, dass ohne schattenspendende Ufergehölze das Wasser im Sommer deutlich schneller erwärmt. Dadurch sinkt der Sauerstoffgehalt – mit negativen Auswirkungen auf Fische und andere Wasserlebewesen.

👉Nach den Kriegen standen andere Prioritäten im Vordergrund: Die hungernde Bevölkerung musste versorgt werden, und ein Totalausfall der Ernte infolge von Überschwemmungen waren katastrophal. 

Ein Artikel von 1955 aus der Norddeutschen Rundschau zeigt die damalige Problematik an:
Verdorbenes Heu nach einer Überflutung vor der Begradigung der Bekau



❗Bei den Baggerarbeiten mit einem Saugbagger kamen nicht nur große Mengen Schlick ans Tageslicht. Auch Eichenbohlen und Findlinge wurden entdeckt. Sie deuten darauf hin, dass es früher Furten gab, über die Menschen den Fluss durchqueren konnten – lange bevor Brücken gebaut wurden.
Eine weitere interessante Entdeckung wurde im Bereich der Brücke bei Eversdorf gemacht: Dort soll auf beiden Seiten der Brücke ein Waffenarsenal gefunden worden sein.
* Information aus der Kaakser Chronik "An den Ufern der Bekau"

Zurück zur heutigen Bekau
Auf einer Radtour bei Kleve / Hofweg an der Luxbrücke treffe wir auf einem Angler, der uns an dieser Stelle von seinem Anglerglück berichtet. Als ich mit ihm spreche, beißt gerade ein Rotauge an seiner Angel an. Sogar Aale soll er hier schon gefischt haben. 

Ich frage den Angler, welchen Fisch er da aus der Bekau gezogen hat. "Wenn der Fisch rote Augen hat, ist es ein Rotauge", so die Information. Der Fisch wird als Köderfisch vorerst eingefroren. 

Die Bekau fotografiert von der Luxbrücke in Richtung Krummendiek

Die Luxbrücke verbindet die Orte Oldendorf und Krummendiek. Sie führt über die  Bekau mit einem ruhigen Platz in der freien Natur der von Wasserwanderern, Anglern und Radfahrern gleichermaßen geschätzt. 


Mündung der Bekau

Das Hauptschöpfwerk Bekmünde, über das die Bekau in die Stör mündet

Hier wird das Wasser der Bekau in die Sör abgepumpt oder durch die Schleuse abgelassen.




Nach starken Regenfällen zwischen Huje und Oldendorf Aufgrund des geringen Gefälles der Bekau kommt es trotz Vertiefung auch heute noch nach starken Regenfällen zu Überflutungen. 
Zwischen Huje und Oldendorf hat das Wasser hingegen viel Platz.
Auch bei Eversdorf gibt es Überflutungsflächen.
Der Anblick erinnert immer daran, dass die Bekau einst bis zur ehemaligen Kaaksburg schiffbar mit Hafenplatz war.
Die Legende erzählt: Die Bekau war früher bis zur Burg schiffbar. Volkssagen zufolge soll dieser strategische Punkt den Seeräubern – oft wird hier Klaus Störtebeker genannt – als Unterschlupf und Stützpunkt gedient haben.

📍In seinem Buch "Die Krummendieks aus der Bekau" erzählt Dr. Martin Echt von der Bekau, dem Wasserweg, der im Mittelalter für den Handel von großer Bedeutung war.

Die Bekau wurde demnach erstmalig 1247 erwähnt. 
Als Transportmittel wurden ausgehölte Baumstämme genutzt, denn durch die teils unter wasserstehende Landschaft war dies ein notwendiger Weg für den Handel. 
Laut den Recherchen von Martin Echt war die Bekau von 1914 bis 1950 zwischen fünf und sechs Meter breit und ein bis eineinhalb Meter tief.